Sonntag, 28. Juli 2013

Review: SECRETS - Fragile Figures

Es gibt einige Dinge, die lassen sich nicht wirklich erklären. Paranormale Aktivitäten, Roswell, ob Kurt Cobain wirklich Selbstmord begangen hat... und wieso ich 'The Ascent', das Debüt-Album der kalifornischen Post-Hardcore-Band SECRETS irgendwie charmant finde. Technisch gesehen ist Xander ein mittelmäßiger Screamer und die Band an sich war zu dem Zeitpunkt technisch noch nicht sonderlich weit gekommen. Aber irgendwie mag ich das Intro von „Genesis“ und die Ehrlichkeit, die Seele in Songs wie „The Ascent“.


Zeitsprung. Xander Burgeois wurde ersetzt durch Aaron Melzer, der bis vor ein paar Monaten noch für Author & Finisher Schallwellen in Bewegung setzte. Secrets kündigen ihr zweites Album an, bald darauf folgt eine Single inklusive Musikvideo und alle paar Wochen wird auf dem Channel von Rise Records ein weiterer Song hochgeladen. 'Fragile Figures' wird von der Community so viel besser aufgenommen als 'The Ascent', man schaue sich allein die Reviews bei Sputnik an, einer Website, die eigentlich dafür bekannt ist, alles auseinanderzunehmen, was ihnen unter die Griffel kommt. Es hagelt positives Feedback von allen Seiten... nur von mir kam bisher nichts. Bis heute Morgen hatte ich mir nicht mal die Mühe gemacht, das (natürlich vorbestellte) Album runterzuladen, was sich dann schließlich doch änderte – ich hatte ja vor, eine Review zu schreiben.


Nach den ersten paar Songs, die ich auf YouTube hören durfte, hielt sich meine Begeisterung aber auch wirklich in Grenzen; „Ready for Repair“ ist unglaublich catchy, aber Richard Rogers wiederholt die Hook auch gefühlte zehntausend Male. Und mit jedem Song, der erschien, kam ein weiterer erzwungener Breakdown dazu. Textlich gesehen ist 'Fragile Figures' zwar lange nicht so einfach gestrickt wie das Debüt-Album, aber es fehlt doch einfach irgendeine Quintessenz, irgendeine Person, um die sich alles dreht. Secrets funktionieren mittlerweile gut als Einheit, aber im Gegensatz zu Fußballteams braucht es in der Musik Gesichter, die man mit der Band verbinden kann. Aaron Melzer ist ein guter bis sehr guter Screamer – wenn man mal seine hohen Screams hört, glaubt man kaum, dass da nicht Rogers seine Stimmbänder leiht – doch fehlt seinen Screams der Inhalt, ebenso wie dem Gesang Rogers'.
Was zusätzlich noch auffällt, wenn man das Album mit 'The Ascent' vergleicht, ist die Produktion. Während das erste Album im Vergleich wie ein Gummihandschuh wirkt, der einem doch ziemlich hart ins Gesicht geklatscht wird, haben wir es bei 'Fragile Figures' mit einem echten Holzbrett zu tun. Die Instrumente klingen klarer, einfach mehr wie zusammengefügte Einheiten in einem flüssigen Zusammenspiel und weniger wie eine Gummimasse aus Tönen. Es klingt insgesamt sehr viel reifer als das Debüt.


Secrets erfinden das Rad mit 'Fragile Figures' nicht neu, sie machen es nicht mal wirklich runder. Die elf Songs auf 37 Minuten sind Genre-Konventionen á la carte, gepaart mit Texten über Verflossene bei denen man dann fast froh ist, dass das Album nicht an die 40 Minuten kommt. Es wird zwar in meiner Default-Playlist bleiben, weil es nichts allzu furchtbares ist, aber ich werde es auch nicht stolz jedem zeigen, der sich für meinen Musikgeschmack interessiert.
Zwei Songs möchte ich allerdings noch einmal positiv erwähnen, und zwar den Zweiteiler in der Mitte des Albums: „Wasted Youth, Pt. 1“ und „The Architect, Pt. 2“. Hier geht es ausnahmsweise mal nicht um das Leben von Richard Rogers (oder wer auch immer für die Texte verantwortlich ist), sondern um das der Jugend, der Menschen, die 'Fragile Figures' adressiert, das derer, die wichtig für diese Welt sind. Mich hat das beim ersten Hören wirklich gefreut und ich finde diese beiden Songs haben es verdient, angehört zu werden, selbst wenn man sich sonst nicht wirklich für das Album interessiert.


Da dies hier die erste Review ist noch einige abschließende Worte: Ich gebe hier keine Wertung, weil das der Musik nicht entspräche. Oft ändert sich die Wertung mit der Zeit und in Relation zu anderen Werken. Außerdem suggerieren Wertungen Objektivität, die ich aber beim besten Willen nicht bieten kann. So wird es also bei meinen Reviews dabei bleiben, dass ich sage, was ich davon halte, es aber nicht in Kategorien einordne.